Mit Tod und Trauer umgehen
- 22. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 7 Tagen
Mit diesem Beitrag möchte ich dich dazu einladen, dem Thema Tod mit mehr Offenheit zu begegnen – und auch den Gefühlen mehr Raum zu geben, die er hinterlässt.
Jemanden zu verlieren, ist sehr schmerzhaft. Gerade, wenn ihr einander nahegestanden habt.
Im ersten Jahr, dem sogenannten Trauerjahr, ist es oft besonders schwer. Alles muss das erste Mal ohne den anderen erlebt werden: Geburtstag, Ostern, Weihnachten, ... .
Mein Wunsch ist es, dir Hilfestellung beim Trauern und Loslassen anzubieten.
Zur Vereinfachung spreche ich in diesem Beitrag vom Abschied eines Menschen durch den Tod. Die Gedanken und Impulse lassen sich jedoch ebenso auf den Abschied von einem Tier oder von einer vertrauten Lebenssituation übertragen.
Es gibt verschiedene Trauermodelle. Ich möchte nun das Fünf-Phasen-Modell des Abschiednehmens nach Elisabeth Kübler-Ross* vorstellen.
Die folgenden fünf Phasen des Trauerns dienen als Orientierungshilfe für dich:
Phase 1: Das Leugnen
Typische Gefühle in dieser Zeit sind Schockgefühle, Unglaube, Starre und Betäubung. In dieser Zeit fällt es oft schwer, den Verlust wirklich zu begreifen - er fühlt sich unwirklich an.
Phase 2: Wut I Ärger
Typische Fragen in dieser Zeit sind: „Warum ausgerechnet ich? Warum mein Mann, mein Kind, mein Tier …? Warum habe ich nicht …?“
In dieser Zeit treten vermehrt Wut, Ärger und Schuldgefühle auf. Diese Gefühle können sich gegen andere Menschen und gegen sich selbst richten.
Sie in angemessener Weise zuzulassen, ist essenziell für einen gesunden Trauerprozess.
Phase 3: Verhandeln
In dieser Zeit steht der Wunsch, das Geschehene rückgängig zu machen, im Vordergrund. Das Leben oder Gott wird in dieser Zeit oft gebeten, den verlorenen Menschen oder das Tier zurückzubringen. Die Sehnsucht in dieser Zeit ist groß.
Phase 4: Traurigkeit I Depression
In dieser Phase wird der Verlust deutlich spürbar. Häufig fallen die Betroffenen in dieser Zeit in ein Loch. Traurigkeit, Rückzug, Hoffnungslosigkeit und Erschöpfung sind typisch für diese Phase. Diese können Wochen bis Monate andauern. Sie sind als Reaktion auf den Verlust vollkommen normal.
Phase 5: Akzeptanz
Nach großer Verzweiflung wird der Verlust zunehmend akzeptiert und als ein Teil der eigenen Lebensgeschichte angenommen. Emotionaler Schmerz bleibt, aber er ist nicht mehr Mittelpunkt des eigenen Lebens. Das Licht am Ende des Tunnels wird sichtbar.
Die im Modell genannten Phasen verlaufen nicht immer in der hier beschriebenen Reihenfolge. Es kann auch vorkommen, dass nicht alle Phasen durchlebt werden.
Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo - lass dir mit allem so viel Zeit, wie du brauchst. Den Trauerprozess vollständig zuzulassen, ist ausgesprochen wichtig. So kann der Tod verarbeitet werden und Wunden heilen.
Das unterstützt dein Wohlbefinden und deine Gesundheit.
Wenn es dir schwer fällt, mit deinen Gefühlen in Kontakt zu kommen oder Gefühle auszufühlen und loszulassen, findest du hier eine von mir aufgenommene Meditation, die dich darin unterstützt.
Es gibt viele Wege, wie du dir selbst in Zeiten der Trauer und des Loslassens Halt und Unterstützung schenken kannst. Einige wohltuende und praktische Impulse möchte ich dir vorstellen.
Einen Abschiedsbrief schreiben:
Oft gibt es Worte und Gedanken, die du dem verstorbenen Menschen noch gerne mitgeteilt hättest oder mitteilen möchtest.
Dies kannst du heute noch tun. Schreibe dazu einen Brief – mit deinen Gedanken, Wünschen und Schmerzen. Wenn es ein Erlebnis gibt, das du der Person gerne mitteilen möchtest, erzähle ihr davon.
Du kannst alles schreiben, was für dich noch offen und wichtig ist. Nimm dir Zeit.
Diesen Brief kannst du ans Grab legen. Du kannst ihn aber auch mit einem kleinen Abschiedsritual verbrennen oder als Flaschenpost abgeben.
Einen Altar gestalten:
Es ist schön und hilfreich, einen kleinen Platz zu schaffen, den du dem verlorenen Menschen widmest.
Dazu kannst du ein Foto, eine Blume oder wichtige Gegenstände verwenden, die euch verbinden.
Wenn du traurig bist, dich allein fühlst oder dich nach Hilfe sehnst, kannst du diesen Platz aufsuchen - dein Ort der liebevollen Erinnerung und des Kontakts.
Ein Gespräch mit dem fortgegangenen Menschen führen:
Auch, wenn die Person in ihrer körperlichen Präsenz nicht mehr bei dir ist, besteht die Möglichkeit, im innerlichen Kontakt miteinander zu bleiben. Auf der geistigen Ebene ist es immer möglich mit dem verstorbenen Menschen Kontakt aufzunehmen. Wenn du allein bist, stelle dir die Person vor, setze sie neben dich oder lass dich in Gedanken von ihr umarmen. Erlaube dir, mit der Person zu sprechen, ihr mitzuteilen, was dich beschäftigt. Du kannst sie auch um Rat oder Hilfe bitten. Du wirst Antwort und Rat bekommen. Probier es aus.
Gehe liebevoll mit dir und deinen Bedürfnissen um und gib dir, was du brauchst.
Mit jemandem sprechen, der deine Situation versteht:
Sprich mit anderen über deine Situation und deinen Schmerz. Gestatte dir alle Gefühle und lasse diese zu. Tausche dich mit jemandem darüber aus.
Es schmerzt, aber die Gemeinschaft und Verbundenheit in dieser Situation sind gut - sie sind heilsam.
Halten | Strömen - Jin Shin Jyutsu:

Das Halten der Handinnenfläche wirkt beruhigend, unterstützt das Urvertrauen zu uns und dem Leben und fördert innere Harmonie. Halte deine Hand für 2 bis 20 Minuten, mindestens 2 Minuten oder solange, bis du den Puls in der Innenfläche spürst, 2-3 täglich**.

Das Halten des Ringfingers hilft uns dabei, das Alte loszulassen und das Neue zu beginnen. Es hilft, Trauer zu fühlen und zu weinen, und gleichzeitig nicht in Traurigkeit zu verharren. Es stärkt die Hoffnung und unterstützt dabei, am Ende des Tunnels wieder Licht zu sehen. Halte den Ringfinder für min. 2 Minuten oder solange, bis du den Puls in der Innenfläche spürst, gerne aber auch bis 20 Minuten lang, 2-3 täglich**.
Wenn wir uns mit dem Tod auseinandersetzen, begegnen wir oft auch der Frage nach einem Danach. Unterschiedliche Vorstellungen und Gedanken dazu können Trost spenden oder dir neue Perspektiven eröffnen.
Betrachtungen zum Tod:
Wenn etwas stirbt, beginnt etwas Neues.
Der Körper vergeht und wird zu Erde. Er geht somit in die Natur ein und wird ein Teil dieser.
Er wird, und ist stetig ein Teil des Ganzen. Nie verloren, nie wirklich getrennt, nie wirklich verschwunden – nur in seiner Form verändert.
Vielleicht ist der vergangene Körper zu Erde geworden und schon ein Teil eines Baumes oder einer Pflanze. Oder er ist Teil eines Wurmes oder des Vogels, der sich den Wurm hat schmecken lassen. Er kann Grundlage für viele neue Leben sein.
Manche sagen: Wenn der Körper nicht mehr lebendig ist, existiert die Energie aus dem Körper nicht mehr.
Energie aber geht nie verloren – das sagt auch die Physik. Energie ist nach dem Tod vielleicht nicht mehr im Körper, dafür ist sie überall. Sie umgibt dich in jedem Moment, ist stetig bei dir. Um uns.
Auch in Gedanken und in deinem Herzen ist der Mensch mit dir. Somit ist er überall - überall, wo du bist.
Einige Religionen beschreiben Wiedergeburt, die Reinkarnation. Sie gehen davon aus, dass wir in einem anderen Organismus, als Mensch oder Tier, wiedergeboren werden. Manche Glaubensrichtungen beschreiben ein Karma, andere gehen davon aus, dass wir so lange wiedergeboren werden, bis wir vollständige Erleuchtung I Realisation erlangt haben.
Wir kommen aus dem Ganzen und gehen zurück ins Ganze. Wir kehren heim – zurück in die Weltenseele I in Gott, aus der wir kommen. So wird es beispielsweise im Balinesischen, dem Bruno Gröning Freundeskreis sowie vielen anderen Bewegungen auf dieser Welt beschrieben.
Auf dem spirituellen/inneren Weg, der Entdeckung des Innersten, unserem Seins/wahren Selbst, gibt es weder Anfang noch Ende, weder Geburt noch Tod. Du und ich – nie getrennt. Es gibt nur das eine Sein, das alles ist – unendlich. Das ist eine tiefe innere Erfahrung, die durch Worte kaum zu beschreiben ist. Sie verwirklicht sich in tiefer Meditation.
Tod und Verlusterfahrungen bieten durch den Schmerz tieferen Kontakt mit uns selbst, öffnen neue Betrachtungsweisen auf das eigene Leben und können Türöffner für spirituelle Erfahrungen und den Kontakt zur tieferen Wirklichkeit sein.
Meine abschließenden Gedanken sind:
Es gibt auf verschiedenen Teilen der Erde Klageweiber. Diese erlauben sich, laut zu klagen und zu weinen - über Tage und Wochen hinweg. Solange, wie es für sie notwendig ist. Tue dasselbe: Klage und weine - so lange, wie du es brauchst.
Es ist gut und wichtig, zu trauern.
Nimm dir dafür ausreichend Zeit.
Danach ist es wichtig, den Verstorbenen loszulassen und weiter zu leben.
Alles hat seine Zeit – Trauern und Leben.
Du kannst dich fragen: Würde der verstorbene Mensch wollen, dass du in ewiger Trauer lebst, oder dass du wieder glücklich wirst?
Solltest du beim Trauern professionelle Hilfe wünschen, scheue dich nicht, mit einer Trauerbegleitung, einem Psychologen oder Psychotherapeuten Kontakt aufzunehmen. Vielleicht gibt es auch eine Selbsthilfegruppe zu diesem Thema in deiner Nähe. Alles ist gut, was dir hilft.
Ich wünsche dir von Herzen Kraft, alles Gute und viel Liebe!
Katharina
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Buch: Dem Leben neu vertrauen: Den Sinn des Trauerns durch fünf Stadien des Verlustes finden
**Jin Shin Jyutsu. Die Kunst der Selbstheilung durch Auflegen der Hände von Waltraud Riegger-Krause.
Es gibt verschiedene wichtige Punkte am Körper. Diese Stellen für 2 bis 20 Minuten lang Halten/Strömen.




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